Bericht über 42. Jour Fixe der Stiftung ex oriente

Jakob Pöllath (Stiftung ex oriente) und Lukas Hartherz (mit Klarinette) stimmen das Publikum ein

Wir erleben die heroischen Anfänge regulären Chinesisch-Unterrichts an unseren Gymnasien.

Die Stiftung ex oriente lud ein zum 42. Jour Fixe am 12.2.2010, OStD a.D. Heinz Reinhardt, drei Studenten (Jennifer Wilke, Tonio Holl und Paul Indiger) sowie Christiane Schmalzl erzählen und erklären und zeigen mit Bildern, wie es mit dem Chinesisch-Studieren von Münchner Gymnasiasten steht und läuft – in München wie in China.

Heinz Reinhardt ist der Vorsitzende des Vereins Bayerisch-Chinesischer Schülerkontakte. Im (leider unter Münchner Schülern nicht mehr üblichen) Bayerischen Tonfall schildert er die Anfänge seit dem Jahr 2000 und die Schwierigkeiten, schulischen Chinesischunterricht in das übervolle G8 einzupassen.

  • Es beginnt jetzt mit Schnupperkursen in der 7. und 8. Klasse.
  • In der 9. Klasse wird dann ein Schüleraustausch mit chinesischen Partnerschulen angeboten.
  • In der 10. Klasse kann es dann ernst werden: Man kann an einigen Gymnasien Chinesisch als ”spätbeginnende Fremdsprache” wählen und bis zum Abitur belegen - am Ende steht ein mündliches Abitur.
  • Ende der 11. Klasse gibt es eine 3wöchige Sprachschulung in China, u. a. in Qingdao.
OStD a.D. Heinz Reinhardt

Tonio Holl und Paul Indiger erzählen dann, wie es ihnen in China ergangen ist. ex oriente hat es ihnen möglich gemacht, ein ganzes Jahr in Wuhan und Qingdao Chinesisch zu lernen – mit Bildern und Anekdoten berichten sie von ihrem Leben im Wohnheim, ihren Erfahrungen mit China, mit den Chinesen – und mit sich selbst.

Sie haben in München noch das Vor-G8-Programm absolvieren können - mit einem Wahlkurs Chinesisch beginnend. Von den anfangs 15 bzw. 14 Schülern, die mit ihnen angefangen haben, haben nur 2 bzw. 3 durchgehalten …

Jennifer Wilke ergänzt mit einem ganz anderen Weg den Blick auf die Möglichkeiten: Sie hat sich mehrmals eine Wohnung gemietet, drei Praktika gemacht und hat das chinesische Arbeitsleben und den harten Kampf um Arbeitsplätze aus der Nähe beobachten können.

Noch scheinen westliche Studenten in China selten genug zu sein – sogar das chinesische Fernsehen bemüht sich um sie.

Paul Indiger habe ich später gefragt, wie er denn mit dem chinesischen Lernstil zurecht gekommen sei. Ach, sagte er, man habe schon Rücksicht genommen auf unseren europäischen Stil. Die Chinesen lernen viel mehr auswendig, aber das gleichen wir Europäer durch mehr Kreativität aus.

Qingdao kenne ich als Tsingtao: vor 100 Jahren war es noch deutsche Kolonie. Ein berühmtes Erbe ist das Bier, das dort heute noch erfolgreich gebraut wird. Die Universität der Stadt hat ein College for International Chinese Studies und steht in engem Kontakt mit den Gymnasien in Bayern. Frau Christiane Schmalzl vom Dekanat organisiert die Studienaufenthalte. 800 bis 1000 ausländische Studenten zählt diese Fakultät.

China sei sehr interessiert daran, dass mehr deutsche Schüler und Studenten Chinesisch lernen, und stellt dafür Stipendien zur Verfügung, berichtet Frau Schmalzl. Man kann in Qingdao zum Beispiel eine Ausbildung zum Chinesisch-Lehrer machen - auch die fehlen ja noch, um der Sprache der Zukunft den Einzug in die deutschen Gymnasien möglich zu machen.

Meine Gedanken schweifen in die Zukunft. In 30 Jahren wird man sich an diese heroischen Anfänge des Chinesisch-Unterrichts an deutschen Schulen zurückerinnern. Bis dahin könnte Chinesisch dritte oder zweite Fremdsprache geworden sein … Wer jetzt mit Chinesisch startet, darf sich noch zu den Pionieren zählen.